50 JAHRE DMS. Ein Streifzug durch fünf Jahrzehnte Umzug & Logistik

2018 feiert die DMS ihr 50-jähriges Bestehen. Ein kleiner Kreis motivierter Möbelspediteure machte sich 1968 auf, um die Branche und ihre Betriebe neu zu definieren.

Fünf Jahrzehnte voller Veränderungen und Fortschritte sind vergangen. Aus den Anfängen hat sich eine stabile Marke mit rund 70 Gesellschaftern entwickelt. Gelegenheit für einen Streifzug durch fünf Jahrzehnte DMS-Mobilität.

Die »jungen Wilden« brechen auf

Am 22. Mai 1968 trafen sich drei Dutzend der »jungen Wilden« im Stuttgarter Hotel Graf Zeppelin. Die Möbelspediteure der überwiegend eher jüngeren Generation hatten nichts weniger im Sinn als die Gründung einer neuen Kooperationsgemeinschaft in der Branche. Die Ziele: von gemeinsamer Stärke profitieren, durch Innovationen auf den Zeitgeist eingehen, alte Strukturen in den eigenen Betrieben aufbrechen. Die Gründer der DMS Deutsche Möbelspedition versprachen sich viel vom Aufbruch in die Größe durch Gemeinschaft.

Dieter Reimold, Inhaber der gleichnamigen Spedition, hatte den Kreis Gleichgesinnter einige Monate zuvor eingeladen. Man kannte sich untereinander teils schon aus Vorgesprächen, Reimold wusste von den Geladenen, dass diese offen für einen Aufbruch sind. Am bedeckt-regnerischen Maitag im Hotel fand nun die Gründungsversammlung statt, in der wichtige Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Fortan bildete man gemeinsam die Deutsche Möbelspedition.

Gründung zwischen Rezession und Internationalität

Die Entstehung der DMS kam für die beteiligten Möbelspediteure zur richtigen Zeit. Martin Brasse junior berichtet heute, was sein Vater nach dem ersten Vortreffen sagte: »Die Idee zur DMS ist genau das, was wir zum Zeitpunkt benötigen, um eine weitere Entwicklung in der Firma zu bekommen«.   

Schließlich befand man sich 1968 schon hinter dem Gipfel des deutschen »Wirtschaftswunders«. Nach den Boom-Jahren mit einem Wachstum von bis zu zwölf Prozent jährlich begann die Arbeitsproduktivität zu sinken. Die Wirtschaftsleistung und der inländische Warenverkehr gingen zurück, Menschen und Firmen mussten wieder vermehrt auf ihre Ausgaben achten. Dies erschwerte auch das Geschäft der Spediteure und Transporteure. Aufträge wurden rarer, Margen geringer. Umso mehr musste man die vorhandenen Ressourcen geschickt einsetzen.

Gleichzeitig wuchs Europa zusammen. Schon 1967 war die Europäische Gemeinschaft entstanden. Im Gründungsjahr der DMS fielen dann auch die Zölle zwischen den Mitgliedstaaten der EG. Der Handel mit dem benachbarten Ausland wurde durch die neuen Bedingungen klar befördert. War durch den technischen Fortschritt ohnehin die allgemeine Mobilität der Menschen und Unternehmen gestiegen, verlangte die EG jetzt nach einem deutlich größeren Aktionsradius der Spediteure und Frachtführer.

Der einzelne Akteur sah sich also vor zwei Herausforderungen gestellt. Eine effizientere Auslastung der Kapazitäten musste her bei gleichzeitiger Erweiterung der Reichweite.

Die Antwort der DMS-Gründer lautete folgerichtig: Laderaumausgleich. Die Partner sollten freien Laderaum bei Strecken über 200 Kilometern an die Gemeinschaft melden, so dass ein Kollege bei Bedarf buchstäblich auf den Möbelzug aufspringen konnte. Zwei oder mehr Aufträge wurden in einer einzigen Fahrt abgewickelt. Dies senkte nicht nur die Kosten im Inland. Besonders längere Strecken ins Ausland waren besser ausgelastet, so dass teure Leerfahrten seltener wurden.

Zentrale koordiniert Transporte in alle Himmelsrichtungen

Koordiniert wurden die Fahrten durch die Zentrale der Deutschen Möbelspedition, die am 4. Juni 1968 ihre Arbeit in Castrop-Rauxel aufnahm. Mitten im Ruhrgebiet, einem der damaligen Boom-Zentren Deutschlands, wurden die Aktivitäten sternförmig in alle Himmelsrichtungen organisiert.

1974 nahm das Auslandsgeschäft vollends organisierte Fahrt auf. Die DMS International wurde als neue Gesellschaft gegründet, die sich auch um das Überseegeschäft kümmerte. Abermals profitierten die einzelnen Partnerbetriebe von den neuen Möglichkeiten. »Durch die Gründung der DMS International und der damit verbundenen Hilfestellung durch die Kooperationsgemeinschaft hatten wir keine Sorge mehr, Anfragen für Transporte ins ferne Ausland zu bearbeiten«, heißt es aus Kreisen der heutigen Gesellschafter.

Schnell fand sich ein wichtiges Betätigungsfeld, das wie angegossen passte: Umzüge für den Diplomatischen Dienst. Die Möbelspediteure der DMS zogen Bedienstete des Bundes in ganz Europa und weltweit um. Noch heute, Jahrzehnte später, stellen Umzüge für diese Kundengruppe einen wichtigen Pfeiler der DMS-Aktivitäten dar.

Die DMS: Eine geschlossene Marke

Bald nach der Gründung konnte man überall auf deutschen und europäischen Straßen die leuchtend-gelben Transporter der Gemeinschaft sehen. Zwar existierten anfangs nur einige Dutzend DMS-Fahrzeuge. Diese besaßen durch die nahezu einheitliche Gestaltung aber einen hohen Wiedererkennungswert.

Das Bewusstsein für die Markenbildung zeigten die Gründer nämlich schon in der Geburtsstunde der DMS. So ist im Protokoll zur Gründungsversammlung etwa abzulesen, dass die Teilnehmer bei der Auswahl des Logos die Qual der Wahl hatten. »Die Vielzahl der vorgelegten Entwürfe erschwerte die Auswahl. Die Mehrzahl der Gesellschafter entschied sich für die Grundfarbe gelb und für das quadratische Pfeilzeichen und daß der Name DEUTSCHE MÖBELSPEDITION größtmöglichst herauskommen muß.«

Weiterhin beschlossen die Gesellschafter, dass das einheitliche Erscheinungsbild mit dem signifikanten Logo auch in Branchenbüchern, Anzeigen und anderen Werbematerialien zu verwenden sei. Die Menschen sollten sich den Namen Deutsche Möbelspedition einprägen.

Mehr als »nur« Umzug

Wie bei anderen Unternehmen änderte sich das Erscheinungsbild auch bei der DMS über die nächsten Jahrzehnte. Das markante Gelb als Grundfarbe ist bis heute geblieben. Aus dem »quadratischen Pfeilzeichen« ist jedoch ein kompaktes Logo mit drei großen Lettern geworden: DMS. Außerdem musste der Beisatz »Der kluge Umzug« aus den Anfangsjahren der Bezeichnung »Umzug & Logistik« weichen.

Diese Änderungen waren die äußerlichen Konsequenzen aus der Erweiterung der Geschäftsfelder. Schon 1968 waren einige Gesellschafter nicht bloß als reine Möbelspediteure angetreten. Und im Laufe der Jahre gesellten sich immer neue Leistungen ins Portfolio der DMS-Betriebe.

Zum einen feilten die Partner an komplexeren Lagerungsvarianten. Nicht nur Möbel und Umzugsgut fanden Raum in den Lagern. Es entstand vielmehr eine professionelle Lagerlogistik, die beispielsweise Möbelhändlern diente. Der Service der DMS-Lageristen umfasste etwa auch Kommissionierung, Bestandsführung und Zustellung bis zum Endkunden.

Auch Spezialtransporte gehörten mehr und mehr zum Standard. »Was immer es ist. Die DMS bringt´s.« titelt die Kooperationsgemeinschaft heute als Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. Je nach Schwerpunkt boten die Gesellschafter mit der Zeit auch die Verlagerung von Bibliotheken, technischem Gerät oder großformatigen Kunstwerken an. Der Transport von Maschinen bis hin zu kompletten Produktionsstraßen gehörte seit den 1970er-Jahren zunehmend zur Kompetenz der DMS – ein wichtiger Vorteil bei der Umsetzung großer Betriebsverlagerungen.

Heute werden größte Firmenumzüge für Tausende Arbeitsplätze samt Produktion abgewickelt. Die vielen Arbeitsschritte und nötigen Gewerke werden genauestens geplant und koordiniert. Ziel der DMS ist es, dem Kunden Leistungen aus einer Hand zu bieten. Besonders die Zentrale unterstützt die Gesellschafter bei Bedarf mit einem umfassenden Consulting.

Es zeigte sich für die Gemeinschaft immer mehr: Die Vielzahl der Leistungen und deren Komplexität ging weit über den einfachen Umzug hinaus. Zwar bildete der Umzug für Privatpersonen und Unternehmen immer das Rückgrat der Gemeinschaft. Aber man wollte den Wortteil »Möbelspedition« nicht mehr vordergründig im Namen führen, sondern nur noch auf »DMS« setzen. Stattdessen sollte der Begriff »Logistik« die Firmenausrichtung deutlicher akzentuieren. So repräsentiert der heutige Markenname »DMS Umzug & Logistik« die Gesamtheit aller Leistungen.

 

Qualität und Innovation

Was Werte angeht, zeigten sich die Partner stets gewillt, auf hohem Niveau zu agieren und den Zeichen der Zeit zu folgen. Qualität sollte niemals nur Lippenbekenntnis sein, sondern auch nachweislich in allen Teilen der DMS gelebt werden.

Schon in den ersten Atemzügen der Gemeinschaft gab es verbindliche Vorschriften für alle Betriebe, die beispielsweise die Ausstattung und Sicherheit der Möbelwagen betrafen. Bereits 1968 ist etwa verbrieft, dass jeder LKW-Zug von drei ausgebildeten Fachkräften begleitet sein müsse. Auch Schulungen für Packer würde man gemeinsam angehen, um die Qualitätssicherung beim Umzug zu wahren.

 Hinsichtlich der Anschaffung von Transportmitteln zogen die Partner an einem Strang. Die Einführung von Wechselkoffern war bei Gründung bereits beschlossene Sache. Was heute Normalität in der Branche ist, war damals ein kleines Novum: Laderaum und Lagercontainer waren identisch, Umzugsgut konnte ohne weiteres Umladen direkt eingelagert werden. Das sparte Zeit, senkte Kosten und schonte das Transportgut.

»Damals waren noch Holzkisten für Glas und Porzellan weit verbreitet, da man noch kein rechtes Vertrauen in die Faltkartons aus Pappe hatte«, berichtet Martin Brasse junior außerdem. Vertrauen in neue Techniken hatte man bei der DMS aber – und so einigte man sich auf den stabilen »Möform-Karton IV« aus Pappe, der für alle Gesellschafter verbindlich einzusetzen war und durch Sammelbestellungen günstiger angeschafft werden konnte.

Über die Jahrzehnte wuchs das Repertoire der Verpackungen immer weiter. Teils gesellten sich sogar hauseigene DMS-Innovationen zum Sortiment. In den 1990er-Jahren wurde beispielsweise ein stabiler Kunststoffbehälter eingeführt – die heutige »Profibox«. 2012 folgte der Porzellansafe, ein Hartschalenkoffer mit weichem Innenfutter für fragiles Umzugsgut.

Innovation war überhaupt stets ein Thema in der DMS. Legte schon die Gründergeneration großen Wert auf den Austausch zwischen Gleichgesinnten, ist dieses Prinzip bis heute ungebrochen. Mal widmet sich die Gemeinschaft als Ganzes einem Aufbruch und einer innovativen Idee. Mal keimt in einem einzelnen Betrieb eine Neuerung auf, die für die gesamte Kooperation interessant ist.

Beispiele für Innovationen, die in der DMS entstanden, finden sich in vielen Bereichen. Heutzutage kaum wegzudenken aus dem Tagesgeschäft sämtlicher Möbelspeditionen: der Außenaufzug. Ebenfalls ein innovatives Konzept, das im Kreise der DMS entstand: das »Kran-Containersystem«, bei dem die Transportcontainer zum schnellen Be- und Entladen an die Außenfassade der Immobilien gehievt werden. Und auch die Lager wurden von der DMS optimiert. Die Containerlager fassen nicht nur normierte Lagercontainer, sondern können diese per Kransteuerung auch bewegen und zugänglich machen.

Berlin wird Zentrum der DMS

1989 war für die Welt ein einschneidendes Jahr. Nicht nur die Mauer zwischen dem geteilten Deutschland fiel. Der Zusammenbruch des »Eisernen Vorhangs« ließ den gesamten Osten und Westen zunehmend verschmelzen. Die Anzahl der Mitgliedstaaten der Europäischen Union wuchs in den folgenden Jahren von 12 auf 25 im Jahre 2004. Vor allem Staaten aus dem Osten stießen zur EU – und auch Russland öffnete sich.  

Für die DMS ergaben sich vor allem im internationalen Geschäft neue Chancen. Vormals schwer zugängliche Länder waren nun gut erreichbar, der gesamte Aktionsradius in Richtung Osten erweiterte sich fast schlagartig um mehrere Tausend Kilometer. Gute Zeiten für die Kooperationsgemeinschaft, die das Auslandsgeschäft über die Jahrzehnte zu einem stabilen Zweig professionalisiert hatte.

Auch innerhalb der DMS ergaben sich strukturelle Veränderungen. Mit der Osterweiterung vergrößerte sich zunächst der Kreis der DMS-Partner. Bereits auf der Frühjahrstagung im Mai 1991 begrüßte die Gemeinschaft fünf neue Gesellschafter aus den neuen Bundesländern.

Fast zeitgleich entschied der Deutsche Bundestag, dass Berlin der neue Regierungssitz der wiedervereinigten BRD werden würde. Nicht nur die Mitte Deutschlands war weiter gen Osten gerückt. Auch das Parlament würde vom westlich gelegenen Bonn an die östliche Seite Deutschlands ziehen.

Schon 1990 hatte die DMS eine Repräsentanz in der künftigen Bundeshauptstadt eröffnet. Diese ergänzte die beiden Dependancen in Bonn und Düsseldorf, die seit Anfang 1970 den Standort in Castrop-Rauxel ersetzten. Der Regierungsumzug brachte die DMS schließlich dazu, auch ihren Sitz mehr und mehr in die Bundeshauptstadt zu verlegen. Zur Zentralisierung aller Aktivitäten wurden 2008 die bislang dezentral agierenden DMS-Büros endgültig zu einem Berliner Headquarter zusammengeschlossen.

Die Entscheidung schmälerte die Präsenz im gesamten Bundesgebiet jedoch nicht. Zum gleichen Zeitpunkt repräsentierten mittlerweile rund 70 Gesellschafterbetriebe die Qualität und das Bild der DMS. Egal in welcher Himmelsrichtung: Die Kunden der DMS-Partner erhielten stets eine hohe Qualität bei Umzug und Logistik – seit 1995 zertifiziert durch den TÜV. Viele hundert leuchtend-gelbe Möbelwagen mit dem markanten DMS-Logo fuhren täglich über Deutschlands Straßen und sorgten für einen Wiedererkennungswert. Und überall waren die Betriebe motiviert, weiter mit der Zeit zu gehen.  

2018: Die DMS wird 50

2018. 50 Jahre sind vergangen, seit eine Gruppe junger, motivierter Möbelspediteure die Gründung der DMS ausrief. Vieles veränderte sich mit der Zeit. Aus dem ersten Gründerkreis der 21 Betriebe ist eine solide Marke in der Branche geworden, die heute zu den Marktführern in Deutschland zählt. Strukturen sind gewachsen und wurden im Laufe der Jahre angepasst. Und die technische Ausstattung ist heute komplexer und moderner als 1968. Doch auch nach einem halben Jahrhundert tauchen noch viele Namen der Gründungsjahre im heutigen Kreis der DMS auf. Und man erkennt noch wichtige Wesenszüge und Ideen.

Gemeinsam mit ganz alten Bekannten und vielen neuen Partnern möchte die DMS auch die nächsten Jahrzehnte erfolgreich gestalten.